Das passiert jedem von uns einmal, dass er bei einem Rendezvous versetzt wird. Wir warten dann ungeduldig und zunehmend verärgert im Restaurant, machen uns einerseits Sorgen, es könnte unserem Date etwas passiert sein, und überlegen uns andererseits schon die markigsten Sprüche, falls er dann, zu spät, womöglich doch noch auftaucht.
Sicherlich hat aber kaum jemand von uns die Geduld, länger als ein, zwei Stunden zu warten, wenn wir am vereinbarten Treffpunkt ankommen, dort niemand uns erwartet und auch keiner irgendwann noch verspätet angehastet kommt.
Da hat ein Deutscher in Brasilien dann doch erheblich mehr Durchhaltevermögen bewiesen in Sachen Warten.
46 Jahre ist Heinz M. alt, und vor etwa zwei Wochen ist er nach Brasilien geflogen, und zwar über Rio de Janeiro nach Campinas, etwa eine Autostunde entfernt von Sao Paulo. Er hatte im Internet eine Frau kennengelernt, eine Brasilianerin, und die sollte ihn wohl dort am Flughafen erwarten.
Das tat sie allerdings nicht; und sie ist auch bis jetzt noch nicht aufgetaucht. Obwohl Heinz M. nicht zurückgeflogen ist.
Ja, Sie haben richtig gehört; dieser Deutsche, der aus München stammt – oder woher auch immer; es gibt da zum Teil widersprüchliche Angaben – hat sich nicht etwa in die nächste Maschine zurück nach Deutschland gesetzt, sondern er ist einfach am Flughafen geblieben und hat sich dort häuslich niedergelassen. Er möchte einfach in Brasilien bleiben.
Inzwischen ist er schon eine halbe Attraktion; da er gegen kein Gesetz verstößt, duldet man ihn einfach, und offensichtlich stört er auch niemanden.
Die Frage ist nur, was im Januar passieren wird, wenn sein dreimonatiges Touristenvisum abläuft. Wahrscheinlich droht ihm dann die Abschiebung.














